Dieses Jahr ist es einem kleinen Newcomer-Verlag, Days of Wonder, gelungen, mit „Zug um Zug“ den Titel Spiel des Jahres 2004 einzuheimsen. Jurysprecher Uwe Petersen hob lobend hervor, das Moons Spiel es verstehe, „Wenigspieler und Vielspieler gleichermaßen zu fesseln.“
Ein überglücklicher Autor Alan R. Moon, der nun schon zum zweiten Mal (Elfenland 1998) auf dem Siegerpodest stand, nahm im Berliner Hotel Esplanade freudestrahlend den mit Lorbeer gekrönten Pöppel in die Hand. Und auch nach der Pressekonferenz hielt er noch eine ganze Weile daran fest. Denn jetzt hieß es für den Amerikaner der Presse zum Gefallen zu posieren, „den Ehrenpöppel bitte mehr rechts, das Spiel ein wenig höher halten und schön natürlich bleiben.“ Aber einen frisch ausgezeichneten Sieger kann das nicht erschüttern, der sympathische Mr. Moon lächelt in die Kamera und beantwortete die an ihn gestellten Fragen auch gerne zum wiederholten Male:
Haben sie damit gerechnet diesen Preis zu erhalten?
Ich hab meine Chancen 50/50 eingeschätzt.
Wie entstand die Idee zu diesem Spiel?
Auf einem meiner Spaziergänge. Ich gehen jeden Tag an den Strand oder in den Park. Es ist einer dieser mysteriösen Prozesse und das Spiel war plötzlich in meinem Kopf. Daraufhin hab ich mich zu Hause hingesetzt, Notizen gemacht und bald darauf den Prototyp gebaut. Das Erstaunliche ist, es funktionierte auf Anhieb. Das ist ziemlich selten bei einer ersten Version.
Wieso ausgerechnet Eisenbahnen?
Ich liebe Züge und Modelleisenbahnen. Viele meiner Spiele haben mit Zügen zu tun. Eisenbahnen sind der Ausgangspunkt zu vielen meiner Spielideen.
Welche Zielgruppe möchten sie damit ansprechen?
Das Spiel ist generationsübergreifend und begeistert vom cleveren 7jährigen bis zur 99jährigen Großmutter alle, dies sich anstecken lassen. Ich hab gerade zu „Zug um Zug“ wunderschöne Resonanz bekommen. Ein junger Mann hat mir z.B. geschrieben, dass er mit seiner 87jährigen Großmutter das Spiel gespielt hat. Das nächste Mal als er sie besuchen wollte, sagte sie: „Aber bitte vergiss nicht dieses Eisenbahnspiel mitzubringen!“ So etwas finde ich großartig.
Welche Bedeutung hat Deutschland für sie persönlich im Zusammenhang mit dem Thema Spiel?
Ohne Deutschland wäre aus meiner Karriere nichts geworden. Hier hat alles angefangen.
In Amerika ist es wirklich schwierig Spiele zu verkaufen und Spiele zu entwerfen. Deshalb kam ich 1990 nach Deutschland, weil ich wusste, nur hier hab ich eine Chance. Es bedeutet mir unendlich viel.
Können sie sich vorstellen, dass Spiele sich in Zukunft auch in Amerika besser verkaufen lassen?
Days of Wonder hat ein großes Interesse daran, Amerika als neuen Markt besser zu erschließen. Sogar in Korea und Japan öffnet sich der Markt mehr und mehr. Aber Deutschland bleibt marktführend. Es bleibt zu hoffen, dass die anderen diesem Beispiel endlich folgen.
Haben sie das nächste Spiel schon im Kopf?
Oh, da sind immer viele Ideen, aber für die nächsten zwei Monate möchte ich einfach mal Urlaub machen und das Leben genießen.
Herr Moon ich danke für dieses Gespräch und noch mal herzlichen Glückwunsch zu ihrem Preis!
[Natalie@GAMEMOB.DE]